
Naturschutz hier seit
Auwaldbiotop am Mühlbach
Lage
Südöstlich von Gebrazhofen im südlichen Teil von Baden-Württemberg.
Größe
10.397 m²
An Tobelbach (in die Untere Argen mündend) angrenzend, zum Teil durch leichte Hanglage mit Staunässe durchsetzt.
Entwicklungsziel: Mischwald in Teilen als Hartholzaue, Altersklassenwald, stehendes und liegendes Totholz, „Alte Bäume“ bis hin zum natürlich vorkommenden Baumalter (z.B. Eichen <1000 Jahre). Habitatetablierung zugehöriger Flora, Fauna und Pilze. Beispiel Insekten in BRD ca. 14000 Arten, davon etwa 4400 Arten waldgebunden.
Historie
Eine über die Jahre hinweg der Stiftung Wilde Argen (SWA) immer mehr wohlgesonnene Sponsorin entwickelte die Idee und den Wunsch, auf einer ihr gehörigen Fläche, die als Grünland bewirtschaftet wurde, den angrenzenden Au- und Tobelwald am Mühlbach, der Natur zur Verfügung zu stellen. Sie bat die SWA um Unterstützung zur Umsetzung dieses Anliegens. Von Anbeginn stand bei ihr fest, dass diese Fläche dann später in den Besitz der SWA übergehen soll.
Nach erster Klärung ca. 2019 von Voraussetzungen, welche Maßnahmen auf der Fläche eine ökologische Aufwertung erbringen könnten, entschieden sich die involvierten Beteiligten für die Erweiterung des vorhanden Au- und Tobelwaldes hin zu einer baumartenreichen Hartholzaue zu arbeiten.
Soweit so gut. Doch nun begannen die Anstrengungen, Irrwege und Mühsal durch den Dschungel der Bürokratie. Von den beteiligten Ämter nicht immer bürokratisch gemeint, aber in der Praxis hat dies sich zum bürokratischen Vorgang entwickelt.
Aufforstungen im Grünland bedürfen der Zustimmung der beteiligten Ämter. In diesem Fall des Landwirtschaftsamt (Grünland) und des Forstamtes (Wald), sowie der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), da der vorhandene Bachlauf und sein begleitender Bewuchs als Biotop offiziell kartiert waren.
Ziemlich schnell (etwa 2020), nachdem der Aufforstungsantrag gestellt war, sprach sich die UNB gegen den Antrag aus, den hier würde das vorhandene kartierte Biotop negativ beeinträchtigt. Die Enttäuschung war groß.
Nach der genaueren Beschäftigung dieser amtlichen verbindlichen Nachricht, stellte sich aber heraus, dass die UNB aufgrund der bei ihr vorliegenden Aktenlage entschieden hat. Auf die Details hierzu verzichten wir an dieser Stelle. Fakt war aber, das Biotop hielt sich nicht an die Aktenlage, sondern hat sich über die Jahre weiterentwickelt und wuchs zu einem Auen- und Tobelwald heran. Hier setzten wir mit einem neuen Antrag an und wir bekamen die Genehmigung unter Auflagen kurz vor Weihnachten 2020, nachdem die Aktenlage der UNB aktualisiert wurde. Dies dauerte aber 1,5-2 Jahre!
Nun musste die Fläche aber noch aus den zwei alten Flurstücken ausgemessen werden. Der Auftrag lag bis zur Abarbeitung weitere Jahre beim Vermesser. Beim Notar ging es deshalb nur langsam und in Teilschritten voran. Geduld war gefragt. Parallel dazu wurde beim Forstamt die Aufforstung beantragt. Ein detaillierter Plan wurde verlangt (siehe Bild), bevor das okay gegeben wurde. Ein Förderantrag musste gestellt werden, um die Kosten der Planzungen durch die SWA stemmen zu können. Letztendlich war dieser erfolgreich, zog sich aber ebenfalls aufgrund Finanzierungsschwierigkeiten im Etat des Amtes über mehrere Jahre hin. Die SWA musste zwischenfinanzieren. Dann kam der relativ einfache Part der Organisation der Pflanzaktionen. Über 2 Jahre hinweg wurden Pflanzlöcher gebohrt, Schüler der Waldburg-Zeilschen Kliniken Wangen und Helfer der SWA in mehreren Einsätzen organisiert, um die 1500 Bäumchen in den Boden zu bekommen.

Dabei kamen fast alle Laubbaumarten und Weißtannen sowie Eiben zum Einsatz. Unklar war, wie der Boden auf der Fläche den jeweiligen Baumarten entsprach. Dies müssen nun die Jahre zeigen, was die Natur hier entwickelt und was nicht.
Den Schutz vor Wipfelverbiß durch Rehwild hat man mittels Schafswolle vorgenommen. Das „Fegen“ konnte nicht ganz verhindert werden.
Inzwischen ist klar, Eichen tun sich wegen der Wühlmäuse und Weißtanne wegen Verbiss schwer. Fegen durch Rehwild erwischt manchen Baum. Aber das ist Natur. Über nun ca. 3 Jahre nach Abschluss der Pflanzungen sind noch ca. 70-80% der Pflanzen am Wachsen. Einige überschreiten schon die 5 Meter an Höhe. Der Wald entwickelt sich, aber einzelne Bäume darunter haben ja noch mindestens 997 Jahre ;-) Zeit…
Wir als Stiftung bringen diese Zeit mit, denn Stiftungen sind auf Dauer angelegt!
Bis noch ein paar weiter Hürden zur Vermessung der Fläche abgeschlossen waren und mit endgültigem Notarvertrag der Übertrag der Fläche stattfinden konnte, hat es bis Oktober 2023 gedauert!!






