
Naturschutz hier seit
Biotop Mühlhalden
Das Biotop Mühlhalden liegt im Voralpenland direkt am Hornberger Gießbach, einer der bedeutenden naturnahen Zuflüsse der Oberen Argen. Es ist somit ein wichtiger Teil des Argensystems, das eines der letzten wilden voralpinen Flüsse Deutschlands darstellt.
Lage
Nahe Eglofs im südlichem Teil von Baden-Württemberg.
Größe
13221 m²
Tierwelt
Waldeidechse, Blindschleiche
Pflanzenwelt
In der Biotopkartierung sind 37 verschiedene Pflanzenarten (nicht abschließend) erfasst.
Kartierung Baden-Württemberg:
Besonderheit
Der Biotop ist ein Gebiet von lokaler Bedeutung und guter Ausprägung. Die Bäche sind sehr gut ausgebildet und zeigen eine hohe Dynamik.
Geschichte
Im südlichen Teil von Baden-Württemberg und westlichen Teil von Bayern, am Rande der Alpen unweit vom Bodensee, liegt das Hügelland Oberschwabens und des Allgäus. Aus dem Zusammenfluss des Börlesbach und des Stixnerbach bildet sich am Ortsausgang von Missen die Untere Argen. In einem sumpfigen Gebiet nordwestlich von Oberstaufen entspringt die Obere Argen. Bei Wangen vereinigt sich die Obere- und die Untere Argen zur Argen um nach ca. 23 km zwischen Kressbronn und Langenargen in den Bodensee zu münden. Sie hat eine Gesamtlänge von ca. 117 km.
Das große Gefälle zum tief gelegenen Bodensee ließ Untere und Obere Argen nach dem Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher sich rasch und stark einschneiden. Die Folge davon waren kastenartige Täler und Terrassen, Kiesflächen, von Felspartien und Rutschungen geprägte Steilhänge, Quellaustritte und kurzlebige Altarme. Daraus ergaben sich auf engem Raum eine große Zahl von Trocken- und Feuchtlebensräumen mit einer einzigartigen Artenvielfalt.
Betreuungskonzept
Die Stiftung Wilde Argen hat durch den Ankauf sichergestellt, dass die Fläche auch künftig sachgerecht gepflegt wird. Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Optimierung des Auwaldes (Fichtenentnahme) durchgeführt werden, ebenso bei den dort befindlichen kleinen Zuflüssen und der Quelle, wobei Reste von Einfassungen entfernt werden. Dadurch soll die Habitatqualität für den „Scharlachroten Kelchbecherling“ u. a. Arten optimiert werden. Im Beweidungsbereich sollen artenreiche Magerwiesen entwickelt werden, mehr Steinhaufen sollen dem Eidechsenbestand zugute kommen. Auch Laichtümpel z.B. für Gelbbauchunke wären denkbar.
In Absprache mit der Naturschutzbehörde sollen faunistische Untersuchungen (u. a. Insekten, Quellschnecken) sowie eine Aktualisierung der floristischen Kartierung durchgeführt werden, um den Erhaltungsstatus der Fläche und evtl. Maßnahmenbedarf genauer feststellen zu können.


Biotopbeschreibung und Entwicklungsziele
Das Biotop ist ein Gebiet von lokaler Bedeutung und guter Ausprägung.
Biotopbeschreibung:
Ein größerer Bach (Hornberger Gießbach) mit zwei zufließenden kleineren Bächen (alle naturnah), begleitender Auwaldstreifen sowie waldfreier Sumpf an einer Sickerquelle.
Der Gießbach fließt von Südosten nach Nordwesten. Er ist bis 8 m tief eingeschnitten, die Sohle ist 3 bis 8 m breit, meist kiesig und steinig. Es gibt eine Kiesinsel sowie zwei große Uferabbrüche im Stil von Prallhängen. Im Osten und am Nordwest-Ende fließen zwei kleine v-förmig eingeschnittene Bäche zu. Deren Bachbett ist schmäler als 1 m und steinig. Der nördliche Bach verläuft ziemlich steil und zeigt Wildbachcharakter.
Der begleitende Auwald ist insgesamt gut strukturiert, artenreich und teilweise sehr steil. Stellenweise gibt es viel Winterschachtelhalm.
Im nördlichen Bereich schließt an den Auwald auf einer Kuhweide eine kleine Sickerquelle mit waldfreiem Sumpf an, in dem die Blaugrüne Binse dominiert. Es gibt starke Trittschäden.
1. Biotoptyp: Naturnaher Abschnitt eines Mittelgebirgsbachs
2. Biotoptyp: Gewässerbegleitender Auwaldstreifen
Zu 2. Hier konnte mit dem Nachweis des Scharlachrotten Kelchbecherlings eine mykologische Rarität im Auwald gefunden werden. Der Pilz, der vor allem auf kleines auwaldtypisches Totholz angewiesen ist, findet sich in ganz Oberschwaben/Westallgäu an weniger als 10 bekannten Fundstellen.
Der vorhandene Auwaldstreifen soll durch „Waldumbau“ durch schonende Entnahme des bestehenden Fichtenbestands im Hang (Erosionsgefahr) um gut 3000qm erweitert werden. Dies wird dem Tuffbachbett und dem Kelchbecherling direkt zugute kommen. Insgesamt wird dadurch auf der Fläche eine bedeutende Zunahme der Biodiversität ermöglicht. Durch Anflug versuchen dort schon Pioniere wie Ahorn im Unterholz der Fichten hoch zu kommen.

Biotoptyp: Sickerquelle
Biotoptyp: Sonstiger waldfreier Sumpf
Das Biotop wird flächenmäßig von zwei Weidewiesen dominiert, die mittelfristig wieder zu extensiven mageren Weidewiesen entwickelt werden sollen. Seit 3 Jahren wurde das Ausbringen von Gülle eingestellt. Der zwischen den beiden „großen Weideflächen“ bestehende Terrassenhang soll von standortuntypischen Sträuchern befreit und aufgelichtet werden. Eine z.B. alle zwei Jahre stattfindende kurze Beweidung soll die Fläche mittelfristig faunistisch aufwerten. Durch das Einbringen von Wacholder soll der „magere Weideflächencharakter“ deutlicher entwickelt werden. Ein vorhandener Steinhaufen auf der südlich ausgerichteten Hangterrasse, der schon als Eidechsenhabitat fungiert soll mit weiteren Steinhaufen flächenmäßig ausgedehnt werden, um die Eidechsenpopulation und weiterer denkbarer Reptilien zu stärken.
Ein Laichgewässer für Gelbbauchunken soll das „Habitatangebot“ insgesamt ergänzen.
Das vorhandene Tuffbett des zufließenden kleinen Baches soll im austretenden Bereich „renaturiert“ werden, indem vorhandene Einfassungen entfernt und Fremdmaterial (Alutritte) entnommen wird. Langfristig wäre denkbar den im „Plastikrohr“ zugeschütteten Bachverlauf wieder offen zu legen und nur grenznah direkt unterhalb der Strasse durch ein Betonrohr „überquerbarr“ zu lassen.
Das vorhandene Tuffbett soll durch Entnahme, ggf. „ Ringelung*“ und stehendem Totholz der Fichten aufgelichtet werden.
Die händische Bekämpfung des Eindringenden Neophyten „indisches Springkraut“ und dessen insgesamt negative Auswirkung auf die (noch) vorhandene Artenvielfalt im Biotop, soll bis zur vollständigen Entfernung weiter geführt werden.
*Ringelung = Das ringförmige Abschälen der Rinde (inklusive des Kambiums) unterbricht den Saftstrom und tötet die Fichte langsam ab. Der Baum wird sukzessive geschwächt, ohne dass sofort ein massiver Kahlschlag entsteht (was zu Bodenerosion führen könnte). Es entstehen wertvolle stehende Totholzkandidaten.

